Five German Christmas Poems

Today is Heiligabend, Christmas Eve, the day when the Germans open their Christmas presents. Traditionally, before the Bescherung, the giving of the presents, children would sing or play a song or recite a poem. And I’m pleased to hear that in many families that tradition continues. So I here are  five of the most popular poems, which to this day still get read or recited in Germany:

 

 

Weihnachten

Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh ich durch die Gasssen,
Alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
Sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus ins weite Feld,
Hehres Glänzen, heilges Schauern!
Wie so still und weit die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schnees Einsamkeit
Steigts wie wunderbares Singen –
O du gnadenreiche Zeit!

Joseph von Eichendorff (1788-1857), German poet & novelist

 

 

Advent

Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt,
und manche Tanne ahnt, wie balde
sie fromm und lichterheilig wird,
und lauscht hinaus, den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin – bereit,
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Heiligkeit.

Rainer Maria Rilke (1875 – 1926), Austrian poet

 

 

Der Traum

Ich lag und schlief, da träumte mir
Ein wunderschöner Traum:
Es stand auf unserm Tisch vor mir
Ein hoher Weihnachtsbaum.

Und bunte Lichter ohne Zahl,
Die brannten ringsumher;
Die Zweige waren allzumal
Von goldnen Äpfeln schwer.

Und Zuckerpuppen hingen dran,
Das war mal eine Pracht!
Da gab‘s, was ich nur wünschen kann
Und was mir Freude macht.

Und als ich nach dem Baume sah
Und ganz verwundert stand,
Nach einem Apfel griff ich da,
Und alles, alles schwand.

Da wacht‘ ich auf aus meinem Traum,
Und dunkel war‘s um mich.
Du lieber, schöner Weihnachtsbaum,
Sag an, wo find‘ ich dich?

Da war es just, als rief er mir,
“Du darfst nur artig sein,
Dann steh‘ ich wiederum vor dir;
Jetzt aber schlaf nur ein!

Und wenn du folgst und artig bist,
Dann ist erfüllt dein Traum,
Dann bringet dir der heil‘ge Christ
Den schönsten Weihnachtsbaum!“

Hoffmann von Fallersleben (1798-1874), German poet

 

 

Knecht Ruprecht 

Von drauß’, vom Walde komm´ ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr.
Allüberall auf den Tannenspitzen
sah ich goldene Lichtlein blitzen.
Und droben aus dem Himmelstor
sah mit großen Augen das Christkind hervor.
Und wie ich so strolcht´ durch den finstern Tann,
da rief´s mich mit heller Stimme an:

“Knecht Ruprecht”, rief es, “alter Gesell,
hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
das Himmelstor ist aufgetan,
Alte und Junge sollen nun
von der Jagd des Lebens einmal ruhn:
und morgen flieg´ ich hinab zur Erden,
denn es soll wieder Weihnachten werden!”

Ich sprach: “O lieber Herre Christ,
meine Reise bald zu Ende ist.
Ich soll nur noch in diese Stadt,
wo´s eitel gute Kinder hat.”
“Hast denn das Säcklein auch bei dir?”
Ich sprach: “Das Säcklein, das ist hier;
denn Äpfel, Nuss und Mandelkern
fressen fromme Kinder gern.”

“Hast denn die Rute auch bei dir?”
Ich sprach : “Die Rute, die ist hier;
doch für die Kinder, nur die schlechten,
die trifft sie auf den Teil, den rechten.”
Christkindlein sprach: “So ist es recht,
so geh mit Gott mein treuer Knecht.”

Von drauß, vom Walde komm´ ich her;
ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr.
Nun sprecht, wie ich`s hierinnen find!
Sind`s gute Kind, sind´s böse Kind?

Theodor Storm (1817 – 1888), German writer

 

 

Vom Christkind 

Denkt euch, ich habe das Christkind gesehen!
Es kam aus dem Walde, das Mützchen voll Schnee,
mit rotgefrorenem Näschen.
Die kleinen Hände taten ihm weh,
denn es trug einen Sack, der war gar schwer,
schleppte und polterte hinter ihm her.

Was drin war, möchtet ihr wißen?
Ihre Naseweise, ihr Schelmenpack –
denkt ihr, er wäre offen der Sack?
Zugebunden bis oben hin!
Doch war gewiß etwas Schönes drin!
Es roch so nach Äpfeln und Nüßen!

Anna Ritter (1865 – 1921),  German poet & writer

In our last ‘Ask Angelika’ live video show we also looked at the poem ‘Vom Christkind’ and translated it. I also read the whole poem. If you just want to hear the poem, go straight to 18 minutes:

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Frohe Weihnachten!

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